Update Blue schon 2013: Windows-8-Frust zwingt Microsoft zu Kurswechsel

Categories: Software
Tags: ,
Comments: Comments Off
Published on: April 16, 2014

Das nächste große Windows-Update kommt noch in diesem Jahr, verspricht Microsoft in einem Blog-Eintrag. Mit dem Update wolle man auf Rückmeldungen von Kunden zu Windows 8 und Windows RT reagieren, sagte Marketingchefin Tami Reller am Dienstag. Windows Blue sei der Codename für ein Update, das später in diesem Jahr verfügbar sein wird. Schon zuvor war über dieses Update spekuliert worden, nun aber sind der Veröffentlichungstermin 2013 und der Name Blue offiziell.

Gegenüber der „Financial Times“ kündigt Reller an, das Update werde „Schlüsselaspekte“, der Software verändern. Details zu den geplanten Änderungen und Neuerungen nannte sie aber nicht. Allerdings gestand sie ein, dass viele Anwender Probleme mit der Bedienung der Software haben: „Die Lernkurve ist real.“

Microsoft hatte Windows 8 im Herbst 2012 eingeführt. Die Software markiert einen scharfen Einschnitt. Um das Betriebssystem für Touchscreens und Tablet-Computer zu optimieren, hatte sich der Konzern von vielen alten Details getrennt. Vor allem Langzeit-Windows-Nutzer hatten daraufhin Probleme, sich an die neuen Möglichkeiten und Funktionen zu gewöhnen. Den Start-Schalter vermissen vielen Anwender schmerzlich, er lässt sich mit Zusatzprogrammen wie dem kostenlosen Classic Shell nachinstallieren.

Die viel diskutierte Frage, ob der Knopf mit dem Update zurückkommt, beantwortete Reller in ihrem Blog-Beitrag nicht.

Auf Desktop-PC und Notebooks bereitet vor allem die neue Kacheloberfläche Probleme, weil sie ohne Touchscreen nur umständlich nutzbar ist. Zwar gibt es auch eine Desktop-Oberfläche, aber die muss man nach dem Systemstart erst aufrufen. Es gibt keine Möglichkeit, den klassischen Windows-Desktop als Standard zu definieren.

Der Konzern bemüht sich zugleich, sein Debakel hinter schönen Zahlen zu verbergen. Gleichzeitig mit der Ankündigung von Windows Blue erklärte Tami Reller, man habe seit der Einführung der aktuellen Windows-Version 100 Millionen Lizenzen des PC-Betriebssystems verkauft. Eine stattliche Zahl, die keinen Grund zur Sorge bietet. Von der Vorgängerversion, Windows 7, waren im selben Zeitraum ebenso viele Exemplare verkauft worden. Allerdings hat sich der Abverkauf seit der Einführung offenbar deutlich verlangsamt. Die ersten 40 Millionen verkauften Lizenzen hatte Microsoft bereits nach einem Monat gemeldet.

Mit der Ankündigung von Windows Blue dürfte der Anreiz für Kunden, sich einen Rechner mit Windows 8 zuzulegen, indes noch weiter zurückgehen.

Wie bei „New Coke“, nur schlechter gemanagt

Mit dem radikalen Windows-Umbau wollte Microsoft Terrain wiedergutmachen, das sein Windows an Apples iPads und Tablet-Rechner mit Android-Betriebssystem verloren hatte. Tatsächlich sind viele PC-Hersteller auf diesen Zug aufgesprungen und haben zu Windows 8 passende Touch-PC und Tablet-PC auf den Markt gebracht – mit bisher maßvollem Erfolg. Aktuellen Zahlen von Strategy Analytics zufolge betrug der Marktanteil von Windows 8 bei Tablet-Computern im ersten Quartal 2013 nur 7,4 Prozent, Apples iOS und Android teilen sich dagegen knapp 92 Prozent.

An diesem Verhältnis kann auch der Windows-8-Ableger Windows RT nichts ändern. Mit RT läuft erstmals eine Windows-Version auf den Strom sparenden ARM-kompatiblen Chips, die häufig in Smartphones und Tablets zu finden sind. Zwar bringt Windows RT die Funktionen, das Design und die Bedientechnik von Windows 8 auf solche Rechner, doch leider nicht die Software. Aufgrund der unterschiedlichen Prozessortechnik laufen herkömmliche Windows-Programme nicht unter Windows RT. Nur eigens angepasste Software kann mit den Tablet-Chips umgehen. Microsoft versucht, diesen Makel mit einer RT-Version seiner Office-Software zu kaschieren. Die ist aber für viele nur ein schwacher Trost, wenn man jahrelang genutzte Programme nicht mehr verwenden kann.

Sogar PC-Hersteller kritisieren das RT-System. Auf die Pläne seiner Firma für RT-Tablets angesprochen, antworte Acer-Chef Jim Wong: „Ehrlich gesagt hat es keinen Wert, Hardware für die aktuelle Windows-RT-Version zu entwickeln.“

In der „Financial Times“ vergleicht Analyst Richard Doherty Microsofts Windows-8-Probleme mit dem Desaster, das der Coca-Cola-Company 1985 widerfuhr, als sie ein neues Rezept für ihre Brause einführte. Der neue Geschmack kam damals bei den Kunden derart schlecht an, dass der Konzern nach knapp drei Monaten wieder auf die alte Rezeptur umstieg. Wie damals Coca Cola will nun offenbar auch Microsoft auf die Kritik an seinem Top-Produkt reagieren – nur viel langsamer.

 

Erstmals erschienen auf:

www.spiegel.de


Teilen

Welcome , today is Dienstag, September 26, 2017